Zweiter Weltkrieg: Putin will Geschichtsfälschern „das Maul stopfen“

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Bei seiner Rede zur Lage der Nation vor sechs Tagen kündigte Russlands Präsident Wladimir Putin einen Umbau der russischen Regierungsstrukturen an. Die Macht des Präsidenten soll geschmälert und die des Parlaments gestärkt werden. Nach seiner Ankündigung in St. Petersburg trat die russische Regierung unter Ministerpräsident Medwedew geschlossen zurück. Welche Pläne Putin damit verfolgen könnte, beleuchteten wir in unserem Bericht vom 16. Januar.

Putin machte zudem eine weitere spektakuläre Ankündigung: Er habe vor, russische Archiv-Dokumente über den Zweiten Weltkrieg öffentlich zugänglich zu machen. Dazu soll ein Zentrum in Moskau eröffnet sowie eine entsprechende Webseite ins Netz gestellt werden. Damit wolle Putin der Geschichtsfälschung über den Zweiten Weltkrieg entgegenwirken.

Putin erinnerte an den Jahrestag der Leningrader Blockade, traf sich mit Veteranen und sagte, er wolle all „jenen das Maul stopfen, die versuchen, die Geschichte umzuschreiben und die Rolle unserer Väter und Großväter zu schmälern. Helden, die starben, um ihre Heimat und praktisch die ganze Welt vor der braunen Pest zu schützen“, sagte Putin.

Putin kritisierte, dass „einige Funktionäre aus dem Ausland ihr ‚Schandmaul‘ nicht halten könnten. Ihr Ziel sei es, die Rolle der Sowjetunion im Kampf gegen Hitlers Regime in Frage zu stellen.“ Seit Wochen gibt es einen Streit zwischen Polen, Lettland, Litauen und Russland über die Geschichte des Zweiten Weltkrieges und die Bedeutung des Hitler-Stalin-Paktes. Die drei Staaten werfen der russischen Regierung vor, das Abkommen zwischen der Sowjetunion und dem nationalsozialistischen Deutschland zu relativieren. Polen wehrt sich außerdem über Putins Vorwürfe, eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zu haben.

Den Streit führen Beobachter unter anderem auf eine Resolution des polnischen Sejm (Unterhaus des Parlamentes) vom 9. Januar zurück. Laut dieser Erklärung des Parlaments in Warschau wird die Sowjetunion zusammen mit dem Deutschen Reich für den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs verantwortlich gemacht. Die „totalitären Mächte“ hätten der Resolution zufolge nach dem Hitler-Stalin-Pakt vom 23. August 1939 die Staaten Mittel- und Osteuropas unterjocht. Polen zähle zu den „ersten Opfern“ der beiden Diktatoren.

Putin gibt jedoch Polen eine Mitschuld am Ausbruch des Zweiten Weltkrieges. Am 19. Dezember 2019 sagte er bei einer Pressekonferenz in Moskau, die sowjetischen Truppen seien erst in Polen einmarschiert, nachdem die Warschauer Regierung „die Kontrolle über ihre Streitkräfte und über die Geschehnisse auf dem Territorium des Landes” verloren hätte. Den damaligen polnischen Botschafter in Berlin, Josef Lipski, bezeichnete Putin in diesem Zusammenhang als einen „Lumpen und ein antisemitisches Schwein“, der sich mit Hitler solidarisiert und diesem versprochen habe, ein Denkmal zu seinen Ehren in Warschau zu errichten.

Geostrategische Entwicklungen in Osteuropa verfolgen Sie hier.

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