Target2 – Deutschland sitzt auf einer finanziellen Zeitbombe

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Target ist ein technisches System zur Abwicklung von Zahlungen im Euroraum. Deutschland hat inzwischen fast eine Billion Euro zu viel eingezahlt. Und dass das Guthaben jemals wieder zurückgezahlt wird, ist unwahrscheinlich. Dadurch sitzt Deutschland auf einer finanziellen Zeitbombe. Doch weder Regierung noch Medien berichten darüber. Und wenn, dann nur sehr spärlich.

Der Nationalökonom und Finanzwissenschaftler Hans-Werner Sinn schlug bereits 2012 Alarm. In seinem Buch „Die Target Falle“ beschreibt der ehemalige Präsident des Ifo-Instituts die Gefahren für Deutschland, verursacht durch die immensen Zahlungsungleichgewichte im Euro-Zahlungssystem. Obwohl bereits der ehemalige Finanzminister Schäuble (CDU) den Rat des Ökonomen angesichts des massiven Ungleichgewichts einholte, passierte bis heute nichts. Es wird nicht mehr lange dauern, bis das Guthaben der Deutschen Bundesbank die unfassbare eine Billion-Euro-Marke überschritten haben wird.

Zahlungsungleichgewicht von knapp einer Billion – Zu Ungunsten Deutschlands

Die Europäische Zentralbank bietet ihren Mitgliedern durch das Euro-Zahlungssystem Kredite in beliebiger Höhe ohne jegliche Sicherheiten oder Laufzeitbegrenzungen, und das zum Nullzins. Die Deutsche Bundesbank ist in diesem Zahlungssystem zum unfreiwillig größten Kreditgeber geworden. Sie hat bislang 976 Milliarden Euro an die EZB geliehen. Italien ist der größte Schuldner. Die Bank von Italien stand bis Ende Mail mit 465 Milliarden Euro bei der EZB in Kredit. Doch die EZB spielt dieses Zahlungsbilanzdefizit gefährlich herunter. Es handle sich nur um Verrechnungssalden, die wirtschaftlich keinerlei Bedeutung hätten. Doch stimmt das?

In dem Zahlungssystem „Trans-European Automated Real-time Gross settlement Express Transfer system“ werden Millionen von Zahlungsvorgängen abgewickelt. Viele innerhalb einzelner Länder und zwischen verschiedenen Geschäftsbanken und Sparkassen. Daneben gibt es jedoch viele grenzüberschreitende Zahlungen. Um die Übersicht darüber zu bewahren, schalten sich nationale Zentralbanken sowie die EZB dazwischen, die die internationalen Zahlungen durchführen.

Seit Finanzkrise driften die Target-Linien im Euroraum auseinander

In den ersten Jahren der Währungsunion pendelt die Target-Salden der Eurostaaten um die Nulllinie, d. h. sie waren weitgehend ausgeglichen. In der Finanzkrise sind sie auseinandergedriftet und laufen seitdem jährlich weiter auseinander. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2012 erreichten die Differenzen ihren ersten Höhepunkt. Seitdem die EZB ihr verfassungswidriges Anleihekaufprogramm 2015 gestartet hat, haben sie einen neuen Höhepunkt erreicht.

Ökonomen sind er Ansicht, dass nicht nur diese beiden Ursachen allein für den rasanten Anstieg des Guthabens der Bundesbank verantwortlich sind. Eine tiefgreifende Unsicherheit gegenüber dem Euro-Währungssystem, gerade in Südeuropa, habe zu einer Kapitalflucht geführt. Was ursprünglich als rein technisches Euro-Zahlungssystem zwischen Finanzinstituten aus unterschiedlichen Ländern dienen sollte, hat es Italienern, Griechen und Spaniern ermöglicht, Immobilien, Unternehmen, Waren und Anleihen in Deutschland zu kaufen, ohne jemals den Gegenwert „zurückverkauft“ zu haben.

Südeuropa kauft in Deutschland ein, ohne zu zahlen

Die „Süddeutsche Zeitung“ erklärte den Zahlungsfluss im August 2012 anhand eines verständlichen Beispiels:

„Verkauft zum Beispiel ein deutscher Händler ein Auto nach Spanien, fließt das Geld folgenden Weg: Der Spanier geht zu seiner Hausbank, um die Überweisung nach Deutschland in Auftrag zu geben. Die Hausbank wendet sich an die spanische Zentralbank, die der Europäischen Zentralbank EZB Bescheid gibt. Die EZB meldet die Summe der Bundesbank, die dann das Geld an die Hausbank des deutschen Autohändlers zahlt. Der Deutsche sieht es dann auf seinem Konto und schickt das Auto an den Spanier. Eigentlich ein gutes Geschäft – nur senden sich die spanischen und die deutschen Notenbanken kein Geld hin und her, denn Zentralbanken erschaffen quasi Geld aus dem Nichts. Die Bundesbank erhält somit ‚nur’ eine virtuelle Forderung, die an den Mittler der Euro-Zone gerichtet ist, an die EZB.“

Zwar hat der deutsche Händler sein Geld und der Spanier sein Auto bekommen. Doch statistisch entsteht ein Leistungsbilanzdefizit, die Target-Salden. Deutschland hat wesentlich mehr Forderungen an Italien, Spanien und Griechenland, als umgekehrt. Das Problem ist, dass die Summen im Euro-Zahlungssystem nicht ausgeglichen worden sind. Denn die EZB muss ihre Forderungen und Guthaben nicht, wie normale Geschäftsbanken, täglich abrechnen.

EZB für fehlenden Zahlungsausgleich verantwortlich

In dem Beispiel hat die Hausbank des deutschen Autohändlers von der Deutschen Bundesbank über die EZB Geld bekommen und das dem Kunden gutgeschrieben. Die spanische Nationalbank hat allerdings das Geld des spanischen Autokäufers nicht der EZB gutgeschrieben. Dadurch sind in den Büchern der EZB über die Jahre diese horrenden Leistungsbilanzdefizite entstanden.

Der in Target2 beinhaltete Risikotransfer ist anscheinend von deutschen Politikern nicht wahrgenommen oder verstanden worden. Denn anders ist nicht zu erklären, weshalb Deutschland zugelassen hat, das ein Zahlungssystem eingerichtet wurde, dass das Transferrisiko begrenzt. Es sei denn, es steckt Absicht dahinter. Denn wie am Beispiel des amerikanischen Zahlungssystems Fedwire sichtbar, müssen dort die Salden zwischen amerikanischen Regionen jährlich ausgeglichen werden. Folglich achten die regionalen Zentralbanken akribisch darauf, dass Banken keine riskanten Kredite an unsichere Kunden leichtfertig vergeben.

Merkel setzt leichtfertig deutsches Geld aufs Spiel

Die deutschen Politiker setzen damit leichtfertig das Geld der Bundesbürger aufs Spiel. Denn das Geld der Deutschen Bundesbank gehört letztlich den deutschen Bürgern. Faktisch sind die Target-Forderungen wertlos, da sie wohl niemals ausgeglichen werden. Tatsächlich ist das Geld das Vermögen der Bürger, das Ländern geliehen wurde, um deutsche Exporte, Kredite und Dienstleistungen zu finanzieren. Sollte die EZB nicht für den Zahlungsausgleich sorgen, wird es erneut der deutsche Steuerzahler sein, der für die offenen Forderungen einspringen darf.

Der Mainstream spielt diese Tatsache herunter. Das Geld sei nicht verloren. Es handle sich um rein virtuelle Forderungen, deshalb sei alles halb so wild, lautet die Argumentation. Die Verbindlichkeiten anderer Notenbanken gegenüber der Deutschen Bundesbank sprechen jedoch eine andere Sprache: Was hier über die letzten sechs Jahre geschehen ist, ist volkswirtschaftliche Schadensmaximierung.

 

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