Kindesmissbrauch in NRW nur Spitze des Eisbergs – Polizeiermittler ringen um Fassung

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In Nordrhein-Westfalen ist erneut ein Fall von schwerem Kindesmissbrauch aufgedeckt worden. Die Polizei in Münster hat vergangene Woche Fälle von schwerem sexuellen Kindesmissbrauch aufgedeckt, deren Ausmaß noch völlig offen ist. Die Ermittler betonen, dass es sich bei den ersten Ermittlungsergebnissen wohl nur um die Spitze des Eisbergs handelt. Doch die Dimension und die ersten Details der ersten Ermittlungsergebnisse brachten die Ermittler an die Grenze des Erträglichen. Bei der Pressekonferenz der Polizeiermittler mussten diese bei ihrer Berichterstattung um Fassung ringen.

Die Polizei hat innerhalb von drei Wochen elf Beschuldigte aus mehreren Bundesländern festgenommen. Sieben davon sitzen in Untersuchungshaft. Drei Jungen im Alter von fünf, zehn und zwölf Jahren sind die bislang identifizierten Opfer. Die Ermittler haben an zwölf Orten Durchsuchungen vorgenommen und mehr als 500 Terrabyte hochprofessionell verschlüsselten Materials mit kinderpornografischen Fotos und Videoaufzeichnungen der Misshandlungen sichergestellt. Sie sagten jedoch, dass das sichergestellte Material „nur eine völlig unzureichende Dimension dessen wiedergebe, was wirklich geschehen sei – und das mitten unter uns, in unserer Gesellschaft“.

Die Videoaufzeichnungen dokumentierten derart schockierende Handlungen an den Kindern, die den Leiter der Ermittlungen, Kriminalhauptkommissar Poll, bei der Pressekonferenz um Fassung ringen ließen, als er das Geschehen in der Gartenlaube in Münster schilderte. Vier erwachsene Männer hätten sich auf die grausamste Art an zwei kleinen Jungen vergangen. Die Missbrauchstaten hätten sich über Stunden hingezogen und dabei seien „alle erdenklichen Gegenstände“ benutzt worden. Die Gartenlaube war innen mit videoüberwachten Doppelstockbetten ausgestattet, wo die Missbrauchshandlungen aufgezeichnet wurden.

Kriminalhauptkommissar Poll war ebenfalls besonders erschüttert über das planvolle, konspirative und versierte Vorgehen, was die Verschlüsselung, die Speicherung und die Verbreitung der Missbrauchsbilder und Videos auf Plattformen im Darknet betrifft. Der hauptverdächtige 27-Jährige Täter hatte einen Kellerraum in Münster zu einem hochprofessionellen Serverraum umgebaut, welcher mit IT-Technik vollgestellt und zudem klimatisiert war, weil die zahlreichen Rechner sonst heißgelaufen wären, so Poll.

Der 27-jährige mutmaßliche Haupttäter war bereits vor einem Jahr wegen des Besitzes von Kinderpornografie ins Visier der Ermittler geraten. Doch es dauerte noch ein ganzes Jahr, bis es den Experten der Polizei gelang, das im April 2019 sichergestellte Material zu entschlüsseln. Die immensen Datenfunde bei Durchsuchungen, die Befragungen und weiteren Ermittlungen ließen dann bald erkennen, dass es hier nicht um einen Einzeltäter geht, sondern um ein ganzes Netz von Missbrauchstätern mit weiteren Tatorten und schlimmstenfalls noch mehr Kinderopfern. Der 27-Jährige soll den 10-jährigen Sohn seiner Lebensgefährtin anderen Männern für Gewalttaten „zur Verfügung gestellt“ haben. Poll sagte: „Er ist verkauft worden von demjenigen, der ihn eigentlich behüten sollte“.

Spezialisten sind weiterhin mit der Auswertung des Materials beschäftigt. Sie entdeckten Chat-Gruppen, in denen sich bis zu 1.800 mutmaßliche Pädo-Sexstraftäter austauschten. Opfer waren oft die eigenen Kinder, darunter auch Babys. Rainer Furth, Polizeipräsident aus Münster sagte: „Selbst die erfahrensten Kriminalbeamten sind an die Grenzen des menschlich Erträglichen gestoßen und weit darüber hinaus. Nun wird es ihre belastende Aufgabe sein, Datei um Datei von diesem abscheulichen Dreck zu entschlüsseln, zu sichten und den Fall Schicht um Schicht aufzuklären.“ Klicken Sie auch hier.

Pressekonferenz Polizeiermittler NRW

https://www1.wdr.de/mediathek/av/video-pressekonferenz-zu-kindesmissbrauch-in-muenster-100.html

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