Infektiologe: Inzidenz „unzuverlässige und falsche Zahl“

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Der Kölner Infektiologe Prof. Dr. Matthias Schrappe ist angesichts der Fortführung des Lockdowns empört. Zudem hält Schrappe die Inzidenz-Zahl als Kriterium für Lockdowns oder mögliche Lockerungen für „falsch und unzuverlässig“. Dem „Focus“ sagte er in einem Interview, dass die Strategie der Kanzlerin, Lockdowns erst ab einem Inzidenzwert von unter 35 zu lockern, „hoffnungslos und nicht adäquat“ sei.

Mit Inzidenzen würde man Zahlen lediglich „schönen“. Der Begriff „Inzidenz“ sei an sich schon falsch und unzulässig, denn die Melderaten seien unzuverlässig und würden schlicht hochgerechnet. Es sei ein „Skandal“, dass mit solchen unzuverlässigen Zahlen der Lockdown gesteuert werde, sagte Prof. Schrappe. Die „Bedrohlichkeit“ der Virus-Mutationen sei nichts weiter als „Propaganda“. Studien würden keine größere Bedrohung belegen. Viren würden sich zudem sowieso ständig verändern. Frau Merkel habe sich allerdings „in einem Tunnel vergraben“ und umgebe sich nur mit Menschen, die ihrer Meinung seien.

Der Journalist Boris Reitschuster hat bei einer der jüngsten Pressekonferenzen eine Aussage von RKI-Präsident Lothar Wieler aufgeschnappt, die ihn sehr verwundert. Reitschuster ist der Ansicht, Wieler hätte mit seiner Aussage das „Corona-Versagen“ der Regierung entlarvt und keiner sonst habe es gemerkt.

Wieler sagte: „Die Inzidenz ist eine Kennzahl, aber wir haben ja immer gesagt, dass es auch eine Menge von anderen Kennzahlen gibt, die wir beachten müssen. Und die Inzidenz ist halt die Zahl, die sich am schnellsten ändern. Das heißt, sie ist eine gute Kennzahl, wo man schnell eskalieren sollte. Wenn man über Deeskalation spricht, also darüber, dass man quasi hier und dort lockern möchte, dann ist die Inzidenzzahl nicht die beste Zahl, sondern da gibt es andere Parameter, die ein bisschen besser geeignet sind, zum Beispiel die Belegungszahl der Intensivbetten, weil die ja in der Regel etwa zwei Wochen den Krankheits- und Infektionsfällen hinterherläuft; zwei, vielleicht drei Wochen. Das heißt, es ist immer die eine Zahl, die im Vordergrund bislang steht, aber natürlich betrachten die Menschen auch andere Zahlen. Aber das ist eine Zahl (Inzidenz), mit der könnten wir super kontrollieren, und das ist ja wirklich wichtig.“

Reitschuster schlussfolgert, dass Wieler mit seiner Aussage entscheidende Teile der Corona-Politik entlarvt habe, was „niemand bemerkt habe – nicht einmal er selbst“. Leider seien auf besagter Pressekonferenz keine Nachfragen von den anderen Journalisten gekommen. Die Aussage Wielers hält Reitschuster für eine „politische Bombe“, denn Bundes- und Länderregierungen hätten die Inzidenz von 35 als Maßstab für Lockerungen gemacht, vor allem für die Öffnung von Geschäften.

Dass Wieler nun die Inzidenz als „die nicht beste Zahl“ bezeichne und „andere Parameter ein bisschen besser geeignet“ seien, sei doch sehr aufschlussreich. Auf der Bundespressekonferenz, bei welcher Reitschuster selbst keine Fragemöglichkeit hatte, hätten seiner Ansicht nach entscheidende Fragen gestellt werden müssen, die aus den Aussagen Wielers resultieren: „Warum wird nicht die beste Zahl zum Maßstab für Maßnahmen von den Regierungen genommen? Warum nimmt die Regierung nicht Zahlen, die besser geeignet seien? Nimmt man die Zahl, die politisch am besten passe?“

Wieler habe mit seiner Aussage das „Ausmaß des Regierungsversagens offenbart und damit die Regierungslinie bei Corona in Grund und Boden geredet“, konkludiert Reitschuster. Er sei „gespannt“, ob wenigstens nachträglich einige Journalisten dies bemerken und bei der nächsten Pressekonferenz aufgreifen würden, oder er selbst, wenn er dort wieder zu Wort kommen könne.

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