Finanzelite erhält Gegenwind: Sammelklage gegen Wall Street Broker

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Der Wall Street Onlinebroker Robinhood geriet jüngst in den Verdacht, Kleinanleger gegenüber Wall Street Großinvestoren zu benachteiligen. Vergangene Woche hatten Robinhood und andere Online-Broker den Kauf mehrerer Aktien eingeschränkt, die durch einen Aufruf in den sozialen Netzwerken getrieben wurden – die sogenannten WallstreetBets. Robinhood hatte die sogenannte Investment-App „Robinhood“ dazu genutzt, um Kleinanleger vom Kauf der Gamestop-Aktien und von anderen Unternehmen, die im Januar eine Preisexplosion erlebten, auszuschließen.

Der Aktienkurs von Gamestop stieg vergangene Woche auf fast 500 Dollar, da Kleinanleger den Preis gegen Hedgefonds und andere Großinvestoren in die Höhe trieben. Diese Investoren hatten zuvor 140 % der vorhandenen Gamestop-Aktien geshortet, in der Annahme, dass das Wertpapier an Wert verlieren würde. Großanleger der Wall Street wie Melvin Capital musste erhebliche finanzielle Verluste in Milliardenhöhe hinnehmen. Melvin Capital verlor dadurch über 6 Milliarden Dollar, wie das „Wall Street Journal“ berichtete. Die „Kleinanleger“ von Wallstreetsbets hatten den Wall Street Wölfen also einen erheblichen Schlag versetzt.

Leerverkäufe – illegale Praxis

Der GameStop-Deal war also zu 140% im Minus. Das ist allerdings illegal. Wie konnte Gamestop zu 140% geshortet werden? Echtes Leerverkaufen ist die illegale Praxis des Leerverkaufs von Aktien, deren Existenz nicht bestätigt worden ist. Normalerweise müssen Händler eine Aktie leihen oder feststellen, dass sie geliehen werden kann, bevor sie sie leer verkaufen. Naked Shorting bezieht sich also auf einen Leerverkauf auf eine Aktie, der umfangreicher sein kann als die handelbaren Aktien auf dem Markt. Obwohl es nach der Finanzkrise 2008/09 verboten wurde, kommt es aufgrund von Regelungslücken und Diskrepanzen zwischen Papier- und elektronischen Handelssystemen weiterhin zu ungedeckten Leerverkäufen.

Viele der Online-Kleinanleger nutzten die Robinhood-App und kritisierten das Unternehmen, weil es die Nutzer vom Kauf der Gamestop-Aktien hinderte. Robinhood erklärte am 28. Januar, dass es Transaktionen für bestimmte Wertpapiere aufgrund von „erheblicher Marktvolatilität“ eingeschränkt hat. Der Online-Broker wies indes Behauptungen zurück, dass man Nutzer vom Handel habe abhalten wollen oder dass seine Aktionen darauf abzielten, Hedgefonds zu unterstützen.

Sammelklage gegen Wall Street Broker

Allerdings sieht sich der Online-Broker nun mit einer Sammelklage konfrontiert, in der behauptet wird, dass das Unternehmen die Aktionen „absichtlich und wissentlich“ durchgeführt hat, um den Markt zum Nutzen von Finanzinstitutionen zu manipulieren, die keine Robinhood-Nutzer waren. CNN-Moderator Chris Cuomo sagte, dass die Entscheidung des Unternehmens erst dann getroffen worden sei, nachdem die Großinvestoren der Wall Street begannen, Geld durch den Short Squeeze zu verlieren.

Cuomo sagte, Robinhood sehe aus wie eine Bewegung, die angeblich von den Reichen nehme und den Armen gebe. Doch genau das Gegenteil sei der Fall, so der CNN-Moderator. Robinhood hatte sich selbst als Plattform präsentiert, die „kostenlose Finanzdienstleistungen für seine Nutzer“ anbiete. Das Leitbild des Unternehmens enthalte das Versprechen, „Finanzen für alle zu demokratisieren“. Dabei verdiene das Unternehmen sein Geld damit, Informationen über Transaktionen der Benutzer der Robinhood-App an Dritte zu verkaufen, die dann Kapital aus den Benutzerdaten schlagen.

Online-Broker verkaufte Nutzerdaten an Wall Street Großinvestoren

Transaktionen mögen für Nutzer der Robinhood-App zwar provisionsfrei sein, aber die Nutzerdaten werden an sogenannte „Markt-Makler“ verkauft, die ihre Position als Mittelmänner nutzen, um Profit zu generieren, schreibt die „Financial Times“. Die meisten dieser „Markt-Makler“ sind Hedgefonds oder andere Groß-Investoren an der Wall Street, die finanziell von der Marktvolatilität profitieren.

Im Dezember 2020 kam die Securities und Exchange Commission (SEC) zu dem Schluss, dass Robinhood seine App-Nutzer um „34,1 Millionen Dollar beraubt habe“, nachdem die Firma deren Benutzerdaten Kunden zur Verfügung gestellt habe, die höhere Einnahmen gegenüber über die Bereitstellung des besten Preises priorisiert haben. Die größten Kunden von Robinhood sind laut SEC Hedgefonds und andere Groß-Investoren der Wall Street. Neben Melvin Capital gehört auch der Hedgefonds Citadel LLC zu den Großinvestoren und Profiteuren von Robinhood.

Robinhood und andere Hedgefonds wurden in der Vergangenheit von der SEC wegen Irreführung einzelner Händler angeklagt. Das Verhalten des Online-Brokers in der vergangenen Woche hat die Behauptungen befeuert, das Unternehmen habe den Handel auf seiner Plattform absichtlich eingeschränkt, um die Kunden zu schützen, die das Unternehmen finanzieren – die großen Wall Street Hedgefonds und Großinvestoren.

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